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Glassbeadgame

Glass Bead Game

Das Glass Bead Game (dt.: „Glasperlenspiel“) wurde vermutlich 1986 von dem Niederländer Christian Freeling (*1947) erfunden. Das genaue Jahr weiß selbst Freeling nicht, da er bei der Explosionskatastrophe von Enschede (14.02.2000) sein Haus, seine Tiere, seine Unterlagen, seine gesammte Spielesammlung und alle Bücher verlor. Von ihm stammen auch viele andere Spiele, darunter Dameo, Havannah und Breakthrough.

Der Name des Spiels erinnert an Hermann Hesses weltberühmten Roman „Das Glasperlenspiel“ (Suhrkamp Taschenbücher Nr. 79), der 1943 geschrieben wurde. Im selben Jahr kam Hesse auf die schwarze Liste der Nazis und drei Jahre später erhielt er für das Buch den Literatur-Nobelpreis.

Es handelt sich bei dem Spiel um eine Mancalavariante, die nah mit Oware verwandt ist.

Vor einigen Jahren war das Spiel eine Disziplin des „U-Con Abstract Games Tournament“ in Ann Arbor (Michigan, USA), das von Clark D. Rodeffer organisiert wird.

Spielregeln

Das Brett besteht aus zwei Reihen mit jeweils fünf Mulden und zwei Bechern für die gefangenen Steine. Jeder Spieler kontrolliert die Mulden auf seiner Seite. Der eine heißt Nord, der andere Süd.

Ein Spieler hat jeweils 10 Perlen, davon sind fünf Steine und die anderen fünf Edelsteine. Die gelben Edelsteine sind ein Punkt, die grünen zwei Punkte, die blauen drei Punkte, die roten vier Punkte und die lilafarbenen fünf Punkte wert.

Wenn ein Spieler am Zug ist, nimmt er aus einer seiner Mulden sämtliche darin enthaltene Perlen und verteilt sie entgegen dem Uhrzeigersinn einzeln auf die folgenden Mulden. Folgendes ist dabei zu beachten:

  • Es darf jeweils nur eine Perle in eine Mulde gelegt werden.
  • Der Spieler darf sich aussuchen, welche Perle er in welche Mulde legt.
  • Die Perlen werden nur in die Mulden, nicht aber in die Becher gelegt.
  • Selbstverständlich werden die Perlen auch auf der Gegenseite verteilt.
  • Falls so viele Perlen vorhanden sind, dass der Spieler wieder zu seiner Ausgangsmulde kommt, wird diese beim Verteilen übergangen. Es ist nicht erlaubt, eine Perle in sie zu legen.
  • Es dürfen nur dann mehrere Perlen in eine Mulde gelegt werden, mit Ausnahme der Ausgangsmulde, die immer leer bleibt, wenn der Spieler mindestens eine volle Runde machen kann.

Falls ein Spieler keine Perlen mehr auf seine Seite hat, muss sein Gegner ihm im nächsten Zug mindestens eine Perle zuspielen, sofern sich wenigstens ein Edelstein noch im Spiel befindet, egal auf welcher Seite des Brettes. Sollten sich nur noch Steine in den Mulden befinden, braucht nicht zugespielt werden.

Edelsteine werden gefangen, wenn die letzte Perle eines Zuges in eine gegnerische Mulde gelegt wird, die vorher genau eine Perle enthielt:

  • Direktes Schlagen: Falls die Perle, die in der gegnerischen Mulde lag, ein Edelstein ist, wird sie aus der Mulde entfernt und in den eigenen Becher gelegt. Befinden sich hinter dieser Mulde, d.h. gegen die Zugrichtung, ohne Unterbrechung weitere gegnerische Mulden, die vorher auch jeweils nur einen Edelstein enthielten (aber keine Steine), sind diese Edelsteine ebenfalls gefangen.
  • Indirektes Schlagen: Falls die Perle ein Stein war, darf sich der Spieler einen beliebigen Edelstein von der gegnerischen Brettseite nehmen und in seinen Becher legen. Wenn der Gegner keinen Edelstein in seinen Mulden hat, darf der Spieler sich irgendeinen Edelstein aus dem gegnerischen Becher aussuchen und in seinen Becher tun. Sollte auch dort kein Edelstein sein, wird keine Perle gefangen. Sollten sich hinter diese Mulde, ohne Unterbrechung weitere gegnerische Mulden befinden, die jeweils nur einen Stein enthielten, darf der Spieler für jede dieser Mulden einen weiteren Edelstein nehmen, zuerst aus den gegnerischen Mulden, wenn diese nicht reichen aus dem gegnerischen Becher.
  • Direktes und indirektes Schlagen darf nicht miteinander kombiniert werden. Die Perle, die in der letzten Mulde lag, entscheidet, auf welche Weise geschlagen wird. Es ist nicht möglich, die ersten beiden Mulden direkt zu schlagen, die dritte Mulde indirekt. Es wird in einem Zug, wenn überhaupt, entweder nur direkt oder indirekt geschlagen.

Die Partie ist zu Ende, wenn ein Spieler am Anfang seines Zuges nicht ziehen kann:

  • Wenn noch mindestens ein Edelstein auf dem Brett ist, gewinnt der Spieler, der nicht ziehen kann.
  • Wenn kein Edelstein mehr auf dem Brett ist, gewinnt, wer mehr Punkte besitzt. Bei Punktegleichstand gewinnt der Spieler, der noch Steine auf seiner Seite hat.
  • Ein Unentschieden ist nicht möglich.

Notation

Eine Seite buchstabiert seine Mulden mit Großbuchstaben, die andere mit kleinen Buchstaben von A-E durch.

Der Wert der Perlen wird in der Reihenfolge angegeben, wie sie verteilt werden (0 für Steine, 1-5 für Edelsteine).

Ein kleines x steht für Schlagen.

Beispielpartie

Christian Freeling (Süd) – Ed van Zon (Nord), Februar-April 1997

(1) C30 c30 (2) D032 b240 (3) B40 d4320 (4) D0 a350 (5) B2 b3 (6) C20 e40001
(7) D02 c352 (8) C0 d03 (9) B0 a2 (10) A234530 a3 (11) D04 b03 (12) C30 a4
(13) B2 d3 (14) D3 c0 (15) E530110000000 xa5 d00 (16) D0 c00 (17) E0 d0
(18) A0 b30 (19) C20 d0 (20) D2 c3 (21) B00 a00 (22) E20xe5 d3 (23) C0 a2
(24) D00 a0 (25) E0 b0002 (26) A2 d0 (27) B2 a0 (28) C2 c00 (29) D2 d0
(30) E2 e000301300000 xD3 & pit 55 (31) C00 d0 (32) D0 c0 (33) B00 d0
(34) D0 b03 (35) E0000x d0 (36) A00 c00 (37) C00 d0 (38) D0 a102 (39) E00
d2 (40) B0 c0 (41) C0 d0 (42) D0 a0 (43) E0 b0001 (44) A1 d0 (45) B1 c0
(46) C1 d0 (47) D1 a0 (48) E1 e2000000000x (49) D0 d0 (50) A0 c0 (51) C0 d0
(52) D0 b00 (53) B00 d0 (54) D0 c0 (55) C0 d0 (56) D0 a01 (57) E00000 e00000
(58) C0 d0 (59) A0 c01 (60) B00 d0 (61) D000 e010xB1 (62) C00 b000 (63) A0 d0
(64) B0 c0?? (65) C0 d0?? (66) D00 a000 (67) E0000x554 e000 (68) A0 d00
(69) A0 c00 (70) C0 a0 (71) B000 b000 (72) C0 Nord gibt auf - er liegt zu weit zurück und Süd kann es sich erlauben, 5 Steine zu opfern, um das Tempo zu bekommen.

Quellen

Cerrato, L.
Glass Bead Game (Christian Freeling). In: Il Fogliaccio degli Astratti 2004; 18 (Februar).
Schmittberger, R. W.
New Rules for Classic Games. John Wiley & Sons, Inc. New York (USA) 1992, 84-87.

Copyright

© Ralf Gering
Unter der CC by-sa 2.5 Lizenz.

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