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Bohnenspiel → Englisch, Italienisch.


Das Bohnenspiel ist ein altes Brettspiel, das zur Familie der Mancala-Spiele gehört. Gleichzeitig wird der Begriff in Deutschland als Gattungsbezeichnung für ganz unterschiedliche Mancala-Varianten verwendet.

Geschichte

Das eigentliche Bohnenspiel wurde erstmals von dem Spielpastor Fritz Jahn 1916 in einem Vortrag beschrieben. Er berichtet darin von einer Reise, die er 1908 zum Rittergut Kardis (Kirchspiel Lais, Kreis Dorpat) auf der Insel Ösel im damals russischen Estland unternahm. Auf dem Gutshof, das einem von Baron von Stackelberg gehörte, fand er die Dublette eines Bohnenspielbretts, dessen Original bis heute im Winterpalais der Zaren, der Eremitage in Sankt Petersburg, aufbewahrt wird. Das Originalbrett war ein Geschenk des Schahs von Persien (vermutlich Aga Mohammed) für die Zarin Katharina die Große, geborene Sophie von Anhalt-Zerbst (Regierungszeit: 1762-1796). Das Bohnenspiel verbreitete sich in deutsch-baltischen und preußischen Adelsfamilien, bis es von Jahn im gesamten deutschen Sprachraum und in allen Bevölkerungsschichten popularisiert wurde. Jahn verfolgte erwachsenenpädagogische Ziele. Er wollte die Arbeiterschaft bilden und über seine Kontakte zum Vaterländischen Frauenverein die im ersten Weltkrieg verwundeten deutschen Soldaten erbauen.

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Altes Bohnenspiel-Brett (1917)

Die von ihm beschriebene Variante heißt auch Baltisches Bohnenspiel oder Kardis-Bohnenspiel, während eine andere Variante, die auf einem um die Hälfte größeren Brett gespielt wurde, als Deutsches Bohnenspiel bekannt wurde.

Ein Mancala-Spiel wurde im Raum des Deutschen Reiches erstmals von Job Ludolf 1699 im Lexicon Aethiopico-Latinum erwähnt. Im Schloss Weikersheim bei Bad Mergentheim existieren zwei Mancala-Spieltische aus Eichenholz aus dem Jahr 1709 (oder 1704?), welche von der Künstlerfamilie Sommer im Barockstil hergestellt wurden. Leider scheinen die Regeln des Weikersheimer Mancala-Spiels verloren gegangen zu sein. Dies sind die ältesten Zeugnisse für Mancala-Spiele in Deutschland, die jedoch wahrscheinlich nichts mit dem Bohnenspiel Fritz Jahns zu tun haben. Es wurde auch schon vermutet, dass die ersten Mancala-Spiele Mitteleuropa durch zurückkehrende Kreuzritter erreichten. Für diese These fehlen jedoch wissenschaftliche Belege.

Eine genaue Analyse der Spielregeln zeigt, dass das Bohnenspiel große Ähnlichkeit mit zentralasiatischen und arabischen Mancala-Spielen besitzt. Dies passt sehr gut zur Herkunftsgeschichte des Spiels. Die Ähnlichkeit zu schwarzafrikanischen Mancala-Spielen ist hingegen wohl eher zufällig.

Die traditionellen Hauptverbreitungsgebiete des Bohnenspiels waren im 19. Jahrhundert, so weit sie sich mit den spärlichen Quellen heute noch rekonstruieren lassen, das Baltikum, Ost- und Westpreußen und Pommern. Im Baltikum starb das Spiel nach der Oktoberrevolution durch die Enteignung, Vertreibung und Ermordung der deutschen Adelsfamilien ab 1917 aus. Im früheren Ostdeutschland hat das Bohnenspiel mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung nach 1945 aufgehört zu existieren. In der DDR erschienen mehrere Spielebücher, die das Bohnenspiel ausführlich beschreiben. Die älteste erhaltene Partie stammt von dem Dresdener Go-Pionier Bruno Rüger aus dem Jahr 1962. Bohnenspielbretter wurden in den 1980er Jahren im Werk 5 des VEB Plasticart in Annaberg-Buchholz und vom VEB Plastikspielwaren Berlin produziert, die das Spiel Sabo bzw. Badari nannten.

Das erste internationale Bohnenspielturnier wurde am 19. Juli 2012 in Pardubitz (Tschechien) ausgetragen. Acht Spieler aus Deutschland, Tschechien, der Schweiz und Kasachstan nahmen an dem Wettkampf teil, der von Maksat Schotajew gewonnen wurde. Ein weiteres Turnier gab es am 5. April 2013 in Nürnberg (Deutschland). Die zwölf Spieler kamen aus Äthiopien, Deutschland, der Elfenbeinküste, Kamerun, Nigerien, Somalia und Uganda. Den Wettkampf, der in fünf Runden ausgetragen wurde, gewann Ralf Gering, der nicht eine einzige Partie verlor. Ein weiteres Turnier mit acht Teilnehmern fand im Juli 2013 im Haus der offenen Tür (HoT), einer Jugendarbeit der Katholischen Kirche, in Sinzig statt. Darauf folgten im August das 1. Fritz-Jahn-Turnier im Evangelischen Gemeindehaus von Sinzig mit 10 Spielern sowie ein kleineres Turnier mit sechs Spielern in Bad Breisig, das während einem Tag der offenen Tür im Jugend- und Kulturbahnhof stattfand.

Seit dem 12. Oktober 2008 kann man das Spiel auch im igGameCenter online spielen. Zur Zeit führt Christian Mächler (Pseudonym: "maaraca") aus Basel, Schweiz, die Rangliste an. Außerdem existieren im Internet einfache Bohnenspiel-Programme.

Spielregeln

Material

Das Bohnenspielbrett besteht aus zwei Muldenreihen mit jeweils sechs Spielmulden. An den beiden Enden ist außerdem eine größere Schatzhöhle, in der die gefangenen Bohnen gesammelt werden. Jedem Spieler gehören die sechs Spielmulden auf seiner Seite des Brettes und die rechts von ihm gelegene Schatzhöhle.

In jeder Mulde liegen am Anfang der Partie sechs Bohnen, die als Spielsteine dienen.

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Startstellung

Vorbereitung

Zu Beginn des Spiels liegen in jeder Spielmulde sechs Bohnen.

Ziehen

In jedem Zug entleert ein Spieler eine seiner Spielmulden und verteilt dann den Inhalt einzeln, Bohne für Bohne, gegen den Uhrzeigersinn in die folgenden Spielmulden. Die Bohnen werden dabei zuerst in die eigenen, dann in die gegnerischen Spielmulden gelegt. Die Schatzhöhlen werden beim Verteilen übergangen.

Schlagen

Wenn die letzte Bohne eine Spielmulde auf zwei, vier oder sechs Bohnen auffüllt, ist ihr gesamter Inhalt, einschließlich der letzten verteilten Bohne, gefangen. Befinden sich in einer ununterbrochenen Folge „dahinter“ (bei Mancalaspielen ist damit gegen die Zugrichtung gemeint; hier also: im Uhrzeigersinn) weitere Spielmulden mit zwei, vier oder sechs Bohnen, so wird auch ihr Inhalt geschlagen. Die gefangenen Bohnen werden in die Schatzhöhle des Spielers gelegt. Es kann sowohl auf der eigenen Bretthälfte, als auch auf der gegnerischen Seite geschlagen werden.

Spielende

Die Partie endet, wenn ein Spieler nicht mehr ziehen kann. Die Bohnen, die noch auf dem Brett sind, gehören dem Spieler, auf dessen Seite sie liegen. Jeder Spieler versucht mehr Bohnen zu fangen als sein Gegner. Da es insgesamt 72 Bohnen gibt, reichen 37 zum Gewinn der Partie. Fängt jeder Spieler 36 Bohnen, endet das Spiel remis.

Notation

Es ist üblich, die Mulden von 1 bis 12 durchzunummerieren, um eine Partie zu notieren. Dabei liegen die Mulden 1-6 auf der Seite des Spielers, der die Partie beginnt.

Historische Partien

  • B. Rüger, 1962:
4,8; 6,12 (2 aus Mulde 8); 6,7; 3 (2 aus 12),7; 5,8 (2 aus 12); 4 (2 aus 7),11; 5 (2 aus 7), 11 (2 aus 12); 2,11 (2 aus 12); 4,7; 3,8; 4 (4 aus 5),11; 1 (2 aus 2),10; 6,10 (6 aus 12); 4 (4 aus 7),8 (6 aus 11); 1 (4 aus 5),9 (2 aus 5); 3 (4 aus 10, sowie je 2 aus 9, 8, 7),12; 1,11; 1,12; 1.
Da Nord nicht mehr ziehen kann, bekommt Süd alle Bohnen, die noch auf dem Brett sind. Süd gewinnt mit 28 Punkten.
  • H. Machatscheck, 1972:
3,9; 5,7 (2 aus Mulde 3); 6,8; 4?,7 (6 aus 9 plus 2 aus 8); 1,12!(2 aus 1); 2,11; 5 (2 aus 11),9 (je 4 aus 2 und 1); 3 (je 6 aus 7 und 8),11 (6 aus 12); 5,10; 3 (2 aus 5),9? (2 aus 10); 6,11 (je 4 aus 2, 1 und 12); 4,10 (je 2 aus 12 und 11); 5 (2 aus 6),7; 3,10; 4,9; 5,8 (2 aus 12); 1,9; 2,10; 3,12 (2 aus 1); 4,11; 5 (2 aus 6),12 (2 aus 1); 2 (2 aus 3).
Nord gewinnt mit 28 Punkten Vorsprung.

Variante

Nach K. Hemprich (1926) endet ein Bohnenspiel, wenn alle Bohnen gefangen worden sind. Wenn ein Spieler nicht ziehen kann, muss er so lange aussetzen, bis er wieder etwas zum Spielen hat.

Literatur

  • B. Arbeiter, W. Ruhnke: Brettspiele (4. Ergänzungsband zum Deutschen Spielhandbuch). Ludwig Voggenreiter Verlag, Potsdam (Deutschland) 1937, 10-12.
  • E. Glonnegger: Das Spiele-Buch: Brett- und Legespiele aus aller Welt. Ravensburger Buchverlag & Heinrich Hugendubel Verlag, Ravensburg & München (Deutschland) 1988, 214.
  • K. Hemprich: Spielpeterle und Ratefritze (2. Teil). Verlag der Dürr´schen Buchhandlung, Leipzig (Deutschland) 1926, 98-102.
  • W. Hirte: Unsere Spiele: 1000 und mehr. Verlag für die Frau, Leipzig (Deutschland) 1971, 307-309.
  • P. Huth: Die spannendste Art, Perlen aufzureihen. Sofort nachspielbar: Für Mancala genügen zwölf Mulden. In: Berliner Zeitung 14. Mai 1994 (S. 80).
  • F. Jahn: Die Pflege des Spiels in Krieg und Frieden als Aufgabe des Vaterländischen Frauen-Vereins. Sittenfeld, Berlin (Deutschland) 1916.
  • F. Jahn: Alte deutsche Spiele. Furche-Verlag, Berlin 1917, 14-15.
  • K.-H. Koch: Spiele für Zwei. Hugendubel, München (Deutschland) 1986, 59-63.
  • H. Machatscheck: Zug um Zug: Die Zauberwelt der Brettspiele. Verlag Neues Leben, Berlin (Deutschland) 1972, 157-158.
  • A. Meikop: Lauamänge [Brettspiele]. In: Eesti Noorus (Estland) 1932; 4: 225.
  • T. Müller-Alfeld: Brettspiele. Verlag Ullstein GmbH, Frankfurt/Main & Berlin (Deutschland) 1963, 153-156.
  • B. Rüger: Du bist dran: 42 Spiele am Tisch. VEB Friedrich Hofmeister, Leipzig (Deutschland) 1962, 34-37.

Weblinks

Copyright

Adaptiert von dem Wikipedia Artikel "Bohnenspiel" http://de.wikipedia.org/wiki/Bohnenspiel, unter der GNU Free Documentation License. Die Liste der Autoren ist in der Wikipedia unter dieser Seite verfügbar.

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